München - Zwei außerordentliche Aufsichtsratssitzungen sind beendet, zwei Entscheidungen gefallen - und Deutschlands Finanzwelt wird grundlegend verändert. Der Sonntag war der D-Day für Frankfurts Bankenszene.
Am Nachmittag stimmte zunächst der Aufsichtsrat des Versicherungsriesen Allianz dafür, seine kriselnde Tochter Dresdner Bank an die Commerzbank abzugeben. Wenig später hat auch deren Kontrollgremium das Einverständnis gegeben. Am Abend bestätigten Käufer und Verkäufer das Geschäft offiziell.
Das Volumen des Deals beläuft sich auf 9,8 Milliarden Euro. Die Commerzbank will zunächst etwa 60 Prozent an der Dresdner Bank erwerben, weitere Anteile sollen nach einer außerordentlichen Hauptversammlung des Instituts voraussichtlich Anfang 2009 den Besitzer wechseln. An der neuen Bank wird die Allianz weiter beteiligt sein. Angepeilt wird die Marke von knapp 30 Prozent. Die Dresdner-Tochter Oldenburgische Landesbank bleibt dagegen bei der Allianz.
Zur Finanzierung überlässt die Commerzbank als Teil des Kaufpreises ihre Fondsgesellschaft Cominvest für 700 Millionen Euro der Allianz. Vereinbart wurde zudem eine 1,25 Milliarden Euro schwere Vorsorge für mögliche weitere zukünftige Schäden der Dresdner Bank aus der Finanzmarktkrise. Die Allianz soll davon 975 Millionen Euro übernehmen.
Das neue Geldhaus wird voraussichtlich unter der Marke Commerzbank auftreten. Der Name der fast 140 Jahre alten Dresdner Bank wird wahrscheinlich verschwinden. Nach der Übernahme will die Commerzbank laut "Handelsblatt" jede dritte der insgesamt 1900 Zweigstellen schließen.
